Ein KI-Agent ist ein System, das ein Ziel in mehreren Schritten verfolgt. Er nutzt dabei selbst Werkzeuge wie Suche, Datenbanken oder E-Mail und bewertet seine Zwischenergebnisse. Im Mittelstand sind heute meist fest definierte Workflows mit KI-Schritten verlässlicher als frei agierende Agenten. Je mehr ein Agent selbst entscheidet, desto wichtiger werden Rechte, Protokolle und menschliche Freigabe.
Alle reden von KI-Agenten. Die Frage für Deinen Betrieb ist eine andere: Welcher Ablauf braucht wirklich einen Agenten, und wo reicht ein einfacher Workflow, der zuverlässiger und billiger ist?
Wir bauen selbst Automatisierungen für kleine Firmen. Hier steht deshalb ohne Werbesprech, was Agenten heute können, wo sie scheitern, wie Du sie absicherst und was der AI Act dazu sagt.
Der Begriff wird unterschiedlich verwendet. Eine hilfreiche Unterscheidung stammt vom KI-Anbieter Anthropic in seinem Beitrag „Building effective agents“. Dort heißen Systeme, in denen Sprachmodelle und Werkzeuge über vordefinierte Codepfade gesteuert werden, Workflows. Systeme, in denen Sprachmodelle ihre Abläufe und ihre Werkzeugnutzung selbst steuern, heißen Agenten. Beides fällt unter den Oberbegriff „agentische Systeme“.
Für die Praxis lässt sich das so abgrenzen:
| Chatbot | Workflow mit KI-Schritten | KI-Agent | |
|---|---|---|---|
| Wer bestimmt die Schritte? | die Person im Dialog | der vorher festgelegte Ablauf | das Modell, je nach Lage |
| Typische Aufgabe | Fragen beantworten | E-Mail einlesen, Daten auslesen, Entwurf anlegen | Recherche, mehrstufige Aufgaben mit offenem Weg |
| Werkzeuge | meist nur die Wissensbasis | fest verdrahtet | wählt selbst aus einem Satz an Werkzeugen |
| Vorhersagbarkeit | hoch bis mittel | hoch | geringer |
| Prüfbarkeit | Antwort prüfen | jeden Schritt prüfen | Ergebnis und Weg prüfen, Protokoll nötig |
Die Grenzen sind fließend. Ein Chatbot, der auf Wunsch einen Termin bucht, nutzt bereits ein Werkzeug. Ein Workflow kann eine einzelne Stelle enthalten, an der das Modell zwischen zwei Wegen entscheidet.
Unsere Einschätzung, keine Studie: Agenten spielen ihre Stärke aus, wenn der Weg zum Ziel nicht vorher feststeht, das Ergebnis sich aber gut prüfen lässt. Beispiele:
Gemeinsam ist allen: Der Agent bereitet vor, ein Mensch entscheidet.
Diesen Grundsatz empfehlen wir für jede Automatisierung: Systeme schlagen vor und bereiten vor. Wo es um Geld, Recht oder Kunden geht, entscheidet ein Mensch.
Fehlerketten. Ein Agent trifft viele Entscheidungen hintereinander. Ein früher Fehler setzt sich fort und kann sich verstärken. Anthropic weist ausdrücklich auf das Risiko sich aufsummierender Fehler hin und empfiehlt umfangreiche Tests in abgeschotteten Umgebungen sowie passende Leitplanken.
Kosten und Dauer. Agenten brauchen oft viele Modellaufrufe pro Aufgabe. Laut Anthropic tauschen agentische Systeme häufig Latenz und Kosten gegen bessere Ergebnisse ein. Ob sich das lohnt, ist je Aufgabe zu prüfen.
Sicherheit: Prompt-Injection. Das OWASP-Projekt führt Prompt-Injection an erster Stelle seiner Risiken für Anwendungen mit Sprachmodellen (LLM01). Gemeint sind Eingaben, die das Verhalten des Modells unbeabsichtigt verändern. OWASP unterscheidet:
Gerade Agenten lesen viele fremde Inhalte und können handeln. Eine versteckte Zeile in einer eingehenden E-Mail könnte einen Agenten mit Zugriff auf Dein Postfach zu einer ungewollten Aktion verleiten. Rechte und Freigaben sind deshalb der wichtigste Schutz.
Datenqualität. Ein Agent ist nur so gut wie die Quellen, auf die er zugreift. Veraltete Preislisten, doppelte Dokumente oder widersprüchliche Anleitungen führen zu falschen Zwischenergebnissen, auf denen alle weiteren Schritte aufbauen.
Nachvollziehbarkeit. Wenn das Modell den Weg selbst wählt, ist im Nachhinein schwerer zu erklären, warum etwas passiert ist, sofern nicht jeder Schritt protokolliert wird.
Anthropic rät, die einfachste Lösung zu suchen und Komplexität nur dann zu erhöhen, wenn nötig. Das kann bedeuten, gar kein agentisches System zu bauen. Diese Fragen helfen bei der Entscheidung:
| Frage | Eher Workflow | Eher Agent |
|---|---|---|
| Sind die Schritte vorher bekannt? | ja | nein, der Weg hängt vom Fall ab |
| Muss jeder Durchlauf gleich ablaufen (Prüfung, Revision)? | ja | nein |
| Lässt sich das Ergebnis leicht prüfen? | egal | ja, sonst zu riskant |
| Wie teuer ist ein Fehler? | auch bei hohem Risiko möglich | nur bei geringem Risiko oder mit Freigabe |
| Gibt es viele Ausnahmen, die sich nicht als Regel fassen lassen? | wenige | viele |
Ein typisches, fiktives Beispiel
Ein Großhändler möchte eingehende Bestellungen per E-Mail erfassen. Die Schritte sind immer gleich: E-Mail lesen, Artikel und Mengen auslesen, mit dem Warenwirtschaftssystem abgleichen, Auftrag als Entwurf anlegen, bei Unklarheit an den Innendienst. Hier passt ein Workflow mit einem KI-Schritt zum Auslesen.
Anders bei der Frage „Stelle mir alles zusammen, was wir mit Kunde X in den letzten zwei Jahren besprochen haben“: Welche Quellen relevant sind, hängt vom Fall ab. Hier kann ein Agent mit reinen Leserechten sinnvoll sein.
Wie ein solcher Workflow im Kleinen aussieht, zeigt unser Beitrag Kassenbelege mit KI erfassen: feste Schritte, ein KI-Schritt zum Auslesen, am Ende prüft ein Mensch.
Unsere Einordnung, Stand 26.10.2026, keine Rechtsberatung.
Welche Pflichten Dich treffen, hängt von Deiner Rolle (Anbieter oder Betreiber) und vom Einsatz ab. Pauschal lässt sich das nicht abschließend beantworten.
Gemessene Einsparungen gibt es in den folgenden Studien nicht. Die Zahlen stammen aus Umfragen und geben Einschätzungen wieder.
YouGov für Alibaba.com und bevh
52 %
der KMU ab zehn Beschäftigten
sehen die Möglichkeit, mit KI-Agenten zwischen 10 % und über 30 % ihrer operativen Routineaufgaben einzusparen. Befragt wurden 438 Entscheider aus KMU vom 08.09. bis 15.09.2026. Rund 40 % nennen Auftragsabwicklung und Kundenservice als zentrale Belastung, 32 % verweisen auf administrative Überlastung.
Civey für eco
74 %
von 500 Unternehmen
erlauben KI-Agenten höchstens Zuarbeit oder eigenständiges Arbeiten unter menschlicher Kontrolle (Befragung vom 18.09. bis 03.10.2026). 47 % würden eine automatische Notabschaltung vorsehen. Der statistische Fehler liegt laut eco je nach Frage bei 9,1 bis 9,4 Prozentpunkten.
Dass Alibaba.com selbst KI-Agenten anbietet, solltest Du beim Lesen im Kopf behalten.
Was ein Agent in Deinem Betrieb spart, zeigt nur eine eigene Messung. Halte vor dem Start fest, wie lange ein Ablauf heute dauert, etwa die Beantwortung von Standardanfragen. Vergleiche das nach dem Testbetrieb mit dem neuen Wert und rechne die Prüfzeit Deiner Mitarbeitenden mit ein.
Wer Agenten auf Firmenwissen ansetzen will, braucht in der Regel eine gepflegte Wissensbasis. Ein Agent findet nur, was auffindbar und aktuell ist.
Ein KI-Agent ist ein Programm, das ein Ziel vorgegeben bekommt und den Weg dorthin selbst plant. Es nutzt dafür Werkzeuge wie Suche, Datenbanken oder E-Mail, prüft Zwischenergebnisse und entscheidet über den nächsten Schritt.
Ein Chatbot beantwortet Fragen im Dialog, die Person steuert das Gespräch. Ein Agent verfolgt eine Aufgabe über mehrere Schritte und nutzt dabei selbst Werkzeuge. Je mehr er handeln darf, desto mehr Absicherung braucht er.
Nicht von sich aus. Risiken sind sich fortsetzende Fehler und Prompt-Injection, also manipulierende Anweisungen in verarbeiteten Inhalten. Minimale Rechte, menschliche Freigabe für riskante Aktionen, Protokolle und Tests in einer abgeschotteten Umgebung senken das Risiko, beseitigen es aber nicht.
Vor allem vorbereitende Aufgaben mit offenem Lösungsweg und gut prüfbarem Ergebnis: Recherche in internen Quellen, Zusammenstellen von Vorgängen, Entwürfe. Feste, wiederkehrende Abläufe sind mit einem Workflow meist verlässlicher umgesetzt.
Wenn der Agent mit Firmenwissen arbeiten soll, ja. Er findet nur, was auffindbar und aktuell ist. Veraltete oder widersprüchliche Dokumente führen zu falschen Ergebnissen, deshalb lohnt sich das Aufräumen vorab.
Im kostenlosen AI-Readiness-Check gehen wir in 45 Minuten Deine Abläufe durch und zeigen, wo ein Workflow reicht und wo ein Agent wirklich Zeit spart. Umsetzen können wir beides in unserer KI-Automatisierung.
Abgerufen am 26.10.2026.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Rechtsberatung.